Boulard Bauquaire
Cormicy liegt am nördlichsten Rand der Champagne-Appellation, dort, wo das Klima kühler ist und die Böden eine sandige Struktur aufweisen, die man in dieser Region so nicht überall findet. Es ist ein Terroir, das keine Kompromisse macht, aber genau dadurch etwas Besonderes hervorbringt: eine Frische, die sich elegant in die Weine einfügt, nie aufdringlich, sondern immer als tragendes Element im Hintergrund präsent. Wer die Champagner von Boulard Bauquaire probiert, spürt sofort diese kühle Klarheit, die typisch ist für Lagen an der Grenze des Möglichen.
Die Wurzeln der Familie Boulard reichen acht Generationen zurück, geprägt von einer Hingabe an den Rebbau, die sich über Jahrhunderte kaum verändert hat. Den entscheidenden Schritt machte Denis Boulard, der sich um 1960 gemeinsam mit seinen Brüdern in Cormicy niederliess und damit den Grundstein für das heutige Haus legte. Die Reben verteilen sich heute auf drei unterschiedliche Regionen, das Vallée de la Marne, die Montagne de Reims und das Massif de Saint Thierry, was auf insgesamt acht Hektaren die Grundlage für komplexe, vielschichtige Cuvées bildet. Christiane und Christophe führen dieses Erbe mit einem Gespür für die Balance zwischen Überliefertem und Zeitgemässem weiter, wobei nachhaltiger Weinbau für sie keine Option, sondern eine Selbstverständlichkeit ist, um die natürliche Umgebung, die Artenvielfalt und die Bodenqualität langfristig zu schützen.
Christophe Boulard ist kein Mensch, der sich mit Langeweile aufhält. Seine Energie fliesst in unzählige Richtungen, und dennoch bleibt sein Fokus stets derselbe: das bestmögliche Ergebnis aus seinem Rebberg zu holen. Er beschränkt sich dabei nicht nur auf die eigenen Parzellen, sondern übernimmt auch die Vinifikation für andere Winzer der Region – ein Zeichen dafür, wie sehr sein Wissen und seine Erfahrung geschätzt werden. Doch es ist seine ständige Suche nach neuen Lösungen, die ihn wirklich auszeichnet. Er experimentiert mit dem Ausstreuen von Pferdemist, um den Boden auf natürliche Weise zu nähren, und setzt auf Zwischenpflanzungen zwischen den Rebzeilen, um die Feuchtigkeit besser im Boden zu halten. Es sind unscheinbare, fast bescheidene Massnahmen, die im Detail jedoch von einem tiefen Verständnis für die Zusammenhänge im Rebberg zeugen. Christophe denkt nicht in Saisons, sondern in Jahrzehnten, in Böden, die sich über Generationen aufbauen und die man entsprechend behutsam behandeln muss.
Diese Haltung spiegelt sich auch in seiner Persönlichkeit wider. Wer ihn fragt, ob sein Champagner nun so oder anders schmecken sollte, bekommt ein Schulterzucken und die Worte: wie du meinst, es ist dein Geschmack. Es ist diese Pragmatik, die Christophe von vielen anderen unterscheidet. Er sucht nicht den schnellen Applaus, nicht die kurzfristige Anerkennung für einen aufsehenerregenden Jahrgang. Stattdessen verfolgt er eine Linie, die auf Langfristigkeit setzt, auf eine Qualität, die sich nicht verändert, nur weil ein Trend gerade in eine andere Richtung zeigt. Genau diese Konstanz ist es, die man in jeder Flasche wiederfindet, ein Echo jener acht Generationen, die vor ihm denselben Boden bearbeitet haben.
Die sandigen Böden von Cormicy, kombiniert mit der nördlichen Lage, sorgen für eine Frische, die man selten in dieser Reinheit findet. Es ist eine Frische, die nicht spitz oder unangenehm wirkt, sondern die sich harmonisch in die Struktur der Weine einfügt, fast wie ein roter Faden, der sich durch alle Cuvées zieht. Man schmeckt darin die Konsequenz eines Winzers, der weiss, was sein Boden kann, und der alles daransetzt, dieses Potenzial mit grösstem Respekt auszuschöpfen.
Für uns bei Gaston & Suzette verkörpert Boulard Bauquaire genau jene Art von Winzerarbeit, die wir am meisten schätzen: eine, die im Kleinen beginnt, mit dem Boden, mit der Pflanze, und die sich niemals von schnellen Lösungen verführen lässt. Christophes ruhige, fast nüchterne Art, über seine Arbeit zu sprechen, steht im Kontrast zu der Vielzahl an Ideen und Experimenten, die er ständig verfolgt, doch gerade dieser Kontrast macht ihn so glaubwürdig. Er ist kein Winzer, der laut von seiner Arbeit erzählt, sondern einer, der sie einfach macht, Jahr für Jahr, mit dem Blick auf die nächste Generation von Reben und nicht auf die nächste Verkostung.
Die Champagner von Boulard Bauquaire sind damit ein Spiegelbild ihres Machers: frisch, unaufgeregt, mit einer klaren Haltung und ohne die Notwendigkeit, sich zu erklären. Wer sie trinkt, verkostet nicht nur ein nördliches Terroir, sondern auch die Geduld und Beharrlichkeit eines Mannes, der weiss, dass wahre Qualität Zeit braucht.
Details
- Rebflächen: Rund 8 Hektaren
- Zertifizierung: HVE,VDC
- Biologisch hergestellt: Nein
- Sulphite: So viel wie nötig, so wenig wie möglich
- Presse: 2 Europressen und 1 Traditionelle Presse
- Herbizide: Ja
- Pestizide: Ja

