Die Champagne im ersten Halbjahr 2026: ein Rückblick aus den Reben

Suzette
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Wir bekommen oft die Frage gestellt, wie ein Jahrgang eigentlich entsteht, lange bevor er als Cuvée in eurem Glas landet. Zeit für einen ersten Einblick: Was ist in der Champagne in den ersten sieben Monate 2026 passiert und was das für die kommende Ernte bedeutet.

Ein kühler Start ins Jahr

Die Saison begann direkt zu Jahresbeginn eher kühl. Rund zehn Nächte lang fielen die Temperaturen auf bis zu minus 8 Grad – und es gab sogar ein wenig Schnee, was in der Champagne alles andere als alltäglich ist. In der Côte des Blancs blieb er teilweise sogar liegen, ein seltener Anblick für die Region. Für die Reben war diese kühle Phase grundsätzlich positiv – gerne hätte sie sogar noch etwas länger und kälter ausfallen dürfen.

Der Rückschnitt und ein rasantes Wachstum

Danach folgte die Taille, der Rückschnitt der Reben – ein entscheidender Arbeitsschritt, dem wir in einem eigenen Blogpost mehr Raum geben werden. Im Anschluss werden die Reben aufgebunden, damit altes und neues Holz die richtige Ausrichtung erhalten. So profitieren die Ranken optimal vom Licht und wachsen später in geordneten Reihen, in denen jede einzelne Traube ihren Platz findet.

Schon in diesem frühen Stadium zeigte sich, wie kraftvoll die Reben in diesem Jahr wuchsen: von Tag zu Tag liessen sich mehrere Zentimeter an neuen Trieben beobachten. Ein eindrückliches Bild.

Frostschäden mit klarem regionalen Muster

Wie es in solch einer Saison oft der Fall ist, folgten noch einige kalte Nächte. Der grösste Teil der Champagne kam gut davon – aber nicht überall. In tiefer gelegenen Lagen, etwa rund um Avize, richtete der Frost teils erheblichen Schaden an: Dort gingen bis zu 90 % der jungen Triebe verloren – nicht die Rebstöcke selbst, sondern die neuen Triebe, die für die diesjährige Traubenernte verantwortlich gewesen wären.

Andere Lagen wie Verzenay, die Côte de Noir und die Montagne de Reims blieben hingegen weitgehend verschont. Besonders hart traf es dagegen die Aube: Ein befreundeter Winzer dort verlor im April rund 90 % seiner Ernte – leider kein Aprilscherz.

Eine kurze, intensive Blüte

Der weitere Verlauf gestaltete sich bislang unkompliziert. Die gesamte Saison liegt deutlich früher als gewohnt, auch die Blüte der Reben verlief entsprechend rasant: Innerhalb von nur 5 bis 6 Tagen war sie praktisch abgeschlossen. Es war dabei bereits so warm, dass einzelne Blüten regelrecht verbrannten, was die Blütezeit zusätzlich verkürzte.

Gesunde Reben, aber weniger Trauben

Aktuell präsentieren sich die Reben sehr gesund – das trockene Wetter hat Krankheiten praktisch keine Chance gegeben. Die Kehrseite: Durch die Trockenheit tragen die Rebstöcke weniger Trauben, als eigentlich möglich wäre. Was aber hängen bleibt, zeigt bislang eine sehr vielversprechende Qualität.

Passend dazu wurde kürzlich auch die zulässige Erntemenge festgelegt: 8’800 Kilogramm Trauben pro Hektar – so wenig wie noch nie. Ein deutliches Zeichen für ein Jahr, in dem Menge und Qualität in einem besonderen Verhältnis zueinanderstehen.

Ausblick: die Ernte rückt näher

Aktuell steht die Palissage an, das Aufrichten der einzelnen Traubenranken – auch dazu mehr in einem kommenden Blogpost. Der Erntebeginn wird derzeit auf rund den 20. August geschätzt, deutlich früher als in den meisten Jahren zuvor. Wie genau sich das Datum entwickelt, hängt stark von den kommenden Wochen ab, insbesondere davon, ob noch etwas mehr Regen fällt.

Wir sind gespannt, was das zweite und dritte Quartal noch bringen, wenn die Reben ihre ganze Kraft in die Trauben stecken. Wir hoffen auf anhaltende Gesundheit der Reben und sind neugierig, wie sich dieser Jahrgang am Ende präsentieren wird.

Wir halten euch auf dem Laufenden.

Gaston & Suzette

Autor

Suzette

Experte für exklusive Champagner-Kultur, Terroir und Genuss-Geschichten.

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