Wer an Champagner denkt, denkt an Chardonnay, Pinot Noir und Meunier. Diese drei Rebsorten stehen auf fast der gesamten Rebfläche der Champagne. Das Regelwerk erlaubt aber mehr: Insgesamt acht Sorten dürfen in einen Champagner, dazu kommt eine Versuchssorte. Wir stellen dir alle vor, mit einem genauen Blick auf die grossen Drei.
Die grossen Drei auf einen Blick
Pinot Noir, Meunier und Chardonnay teilen sich die Champagne fast zu gleichen Teilen. Alle übrigen Sorten zusammen kommen auf weniger als 0,3 % der Fläche.
| Rebsorte | Anteil an der Rebfläche | Wo sie zu Hause ist | Was sie mitbringt |
|---|---|---|---|
| Pinot Noir | rund 38 % | Montagne de Reims, Côte des Bar | Struktur, Kraft, rote Frucht |
| Meunier | rund 32 % | Vallée de la Marne | Rundheit, saftige Frucht, Charme |
| Chardonnay | rund 30 % | Côte des Blancs | Frische, Finesse, Zitrus, Mineralität |
Pinot Noir und Meunier sind rote Trauben mit hellem Saft. Werden sie sanft gepresst, entsteht trotzdem ein weisser Champagner.
Pinot Noir: das Rückgrat
Pinot Noir ist die meistgepflanzte Rebsorte der Champagne. Er liebt kühle, kalkige Böden und prägt vor allem die Montagne de Reims und die Côte des Bar im Süden. Im Champagner sorgt er für Körper und Länge, für Aromen von roten Beeren, Kirsche und manchmal einen Hauch Gewürz.
In einer Assemblage ist er das Gerüst, an dem sich die anderen Sorten festhalten. Allein ausgebaut, als Blanc de Noirs, zeigt er seine ganze Kraft. Solche Champagner verlangen oft nach dem Esstisch statt nach dem Apéro.
Meunier: der unterschätzte Charmeur
Lange galt der Meunier als blosser Füllstoff für die Assemblage. Zu Unrecht. Er treibt später aus als seine Geschwister und übersteht deshalb die gefürchteten Frühlingsfröste besser. Auf den Ton- und Mergelböden der Vallée de la Marne fühlt er sich besonders wohl.
Im Glas bringt er Rundheit, saftige gelbe Frucht und eine einladende Zugänglichkeit. Traditionell galt er als Sorte für jung getrunkene Champagner. Heute zeigen viele Winzer, wie viel Tiefe und Lagerpotenzial in ihm steckt. Gerade bei kleinen Erzeugern ist reinsortiger Meunier zu einem echten Aushängeschild geworden. Ein schönes Beispiel aus unserem Sortiment ist Les Heurtebises 2020 von Rémy Lequeux-Mercier.
Chardonnay: Eleganz und Spannung
Chardonnay ist die einzige weisse Traube unter den grossen Drei. Sein Königreich ist die Côte des Blancs südlich von Épernay, wo er auf reinem Kreideboden steht. Er bringt Frische, Finesse und eine feine Säure in den Champagner, dazu Aromen von Zitrus, weissen Blüten und oft eine ausgeprägte Mineralität.
Jung wirkt Chardonnay straff und präzise. Mit den Jahren entwickelt er Noten von Brioche, Haselnuss und Honig. Darum ist er die Basis vieler grosser Jahrgangschampagner. Spannend wird es, wenn er ausserhalb der Côte des Blancs wächst: Unser Les Ruelles von Gounel-Lassalle aus der Montagne de Reims zeigt, wie viel Fülle ein Chardonnay haben kann.
Die Raritäten
Neben den grossen Drei erlaubt das Regelwerk fünf weitere Sorten. Sie sind fast verschwunden, doch einige Winzer pflegen sie mit viel Hingabe, oft in alten Parzellen und meist in winzigen Mengen.
- Arbane: eine alte, aromatische weisse Sorte, die heute fast nur noch im Aube-Gebiet im Süden der Champagne wächst.
- Petit Meslier: eine historische weisse Sorte mit lebendiger Säure, die in wärmeren Jahren für Frische sorgt.
- Pinot Blanc: findet sich vor allem in der Côte des Bar und gibt dem Champagner Weichheit.
- Pinot Gris: in der Champagne traditionell Fromenteau genannt, mit rosa-grauer Beerenhaut und dezenter Würze.
- Chardonnay rose: eine rosafarbene Spielart des Chardonnay, die in der Champagne seit rund 1900 belegt ist. Sie war lange schlicht vergessen worden und steht seit dem Sommer 2025 offiziell im Regelwerk.
Dazu kommt ein Neuling: Voltis. Die pilzwiderstandsfähige Sorte ist seit Ende 2022 versuchsweise zugelassen. Sie soll helfen, weniger Pflanzenschutz zu spritzen. Ein Weingut darf sie auf höchstens 5 % seiner Fläche pflanzen, im Champagner dürfen höchstens 10 % Voltis stecken.
Was das für dich im Glas heisst
Die Rebsorte verrät dir viel, bevor du die Flasche öffnest. Drei Begriffe auf dem Etikett helfen dabei:
- Blanc de Blancs: nur aus weissen Trauben, meist reiner Chardonnay. Frisch, fein, oft sehr mineralisch.
- Blanc de Noirs: nur aus roten Trauben, also Pinot Noir, Meunier oder beiden. Kräftiger, fruchtiger, ein Champagner fürs Essen.
- Assemblage: eine Mischung mehrerer Sorten. Hier spielen Struktur, Frucht und Frische zusammen, wie im Esprit Voyageur von Gounel-Lassalle mit Meunier, Pinot Noir und Chardonnay.
In den nächsten Wochen widmen wir jeder der grossen Drei einen eigenen Degustationstipp. Den Anfang macht am 27. Oktober der Chardonnay, im November folgt der Pinot Noir, im Januar der Meunier. Bis dahin: Achte beim nächsten Glas einmal darauf, welche Rebsorte du herausschmeckst. Santé!
