Die Regionen der Champagne: Eine Reise durch alle Terroirs

Suzette
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Die Champagne ist kein einheitlicher Weinberg, sondern ein Flickenteppich aus rund 34 000 Hektar Reben. Vier grosse Regionen gliedern sie: die Montagne de Reims, die Vallée de la Marne, die Côte des Blancs und die Côte des Bar. Jede zerfällt wiederum in kleinere Terroirs mit eigenem Boden, eigener Lage und eigenem Charakter. Wer sie kennt, versteht, warum zwei Champagner so unterschiedlich schmecken können, obwohl sie nur wenige Kilometer voneinander entfernt entstehen.

Auf einen Blick

RegionHauptrebsorteBodenStil im GlasUnsere Winzer
Montagne de ReimsPinot NoirKreide unter Ton und Sandkraftvoll, strukturiertGounel-Lassalle (Chigny-les-Roses), Hugues Godmé (Verzenay)
Vallée de la MarneMeunierTon, Mergel, Sandrund, fruchtig, zugänglichRémy Lequeux-Mercier (Passy-sur-Marne), Le Gallais Boursault (Boursault)
Côte des BlancsChardonnayKreide, im Süden Ton und Kreidefein, frisch, mineralischOudiette et Filles (Beaunay)
Côte des BarPinot NoirKimmeridge-Mergel und Kalksteinsaftig, vinös, kraftvoll

Montagne de Reims

Zwischen Reims und Épernay erhebt sich ein bewaldeter Höhenzug, an dessen Hängen sich die Reben wie ein Kranz verteilen. Der «Berg» ist eher ein sanfter Hügel, doch er prägt die Champagne wie kaum eine andere Region. Hier dominiert der Pinot Noir, der dem Champagner Struktur, Kraft und Tiefe schenkt.

  • Massif de Saint-Thierry: nordwestlich von Reims, rund um Cormicy. Sandige und tonige Böden, viel Meunier und Pinot Noir. Hier wurde schon zur Zeit der Mönche Wein angebaut.
  • Vallée de la Vesle: entlang des Flüsschens Vesle westlich von Reims. Leichte Böden, der Meunier gibt den Ton an.
  • Vallée de l’Ardre: ein stilles Seitental mit Ton- und Sandböden, ebenfalls Meunier-Land. Hier entstehen fruchtige, zugängliche Champagner.
  • Petite Montagne: der westliche Ausläufer der Montagne, südwestlich von Reims. Viele Premier-Cru-Dörfer, ein Mosaik aus Meunier, Pinot Noir und Chardonnay.
  • Mont Berru: ein einzelner Hügel östlich von Reims, klein und kaum bekannt, mit eigenständigen Weinen.
  • Grande Montagne Nord: die Nordflanke mit Grands Crus wie Verzenay und Mailly. Trotz der kühlen Ausrichtung reift hier ein Pinot Noir von grosser Spannung. In Verzenay arbeitet die Familie Godmé, im Premier-Cru-Dorf Chigny-les-Roses Arnaud Gounel und Sophie Lassalle.
  • Grande Montagne Sud: die sonnige Südseite mit Bouzy und Ambonnay, berühmt für kraftvollen Pinot Noir. Aus Bouzy stammt auch ein seltener stiller Rotwein.
  • Perle Blanche: der östliche Zipfel der Montagne. Hier überrascht der Chardonnay, der sonst kaum in der Montagne zu finden ist.

Vallée de la Marne

Von Épernay aus folgt das Tal der Marne nach Westen, weit über Château-Thierry hinaus. Die Reben stehen an den Hängen beidseits des Flusses, auf Ton-, Mergel- und Sandböden. In den Senken hält sich im Frühling gerne die Kälte, darum ist hier der Meunier zu Hause: Er treibt spät aus und trotzt dem Frost.

  • Grande Vallée: das Herzstück rund um Aÿ, Dizy und Hautvillers, wo der Legende nach Dom Pérignon wirkte. Steile Südhänge, Kreideboden und ein Pinot Noir von grosser Reife. Aÿ ist ein Grand Cru.
  • Coteaux Sud d’Épernay: die Hügel direkt südlich von Épernay. Hier treffen sich alle drei grossen Sorten, der Übergang zur Côte des Blancs ist spürbar.
  • Rive Droite: das nördliche Ufer westlich von Épernay. Südlich ausgerichtete Hänge, viel Meunier, Champagner mit reifer Frucht.
  • Rive Gauche: das südliche Ufer gegenüber. Kühler, nach Norden geneigt, die Weine wirken frischer. In Boursault ist das Haus Le Gallais zu Hause.
  • Terroir de Condé: das Gebiet rund um Condé-en-Brie, südlich der Marne. Ruhige Dörfer und charaktervoller Meunier, wie ihn Rémy Lequeux-Mercier in Passy-sur-Marne keltert.
  • Vallée de la Marne Ouest / Aisne: der westlichste Teil der Champagne rund um Château-Thierry, teils schon im Département Aisne. Meunier pur, oft unterschätzt und voller Entdeckungen.

Die Champagner aus dem Marnetal sind rund, fruchtig und zugänglich. Lange standen sie im Schatten der berühmteren Regionen. Heute holen Winzer den Meunier selbstbewusst ins Rampenlicht.

Côte des Blancs

Der Name sagt es: Hier wachsen die weissen Trauben. Die Region reicht von Épernay weit nach Süden und umfasst neben dem berühmten Kreidehang auch einige verstreute Inseln im Osten und Süden. Überall regiert der Chardonnay, doch jedes Terroir gibt ihm eine eigene Note.

  • Côte des Blancs: der lange, nach Osten ausgerichtete Hang südlich von Épernay mit Grands Crus wie Cramant, Avize, Oger und Le Mesnil-sur-Oger. Unter einer dünnen Erdschicht liegt reine Kreide. Sie speichert Wasser und verleiht den Weinen ihre unverwechselbare Mineralität.
  • Coteaux du Petit Morin: die südliche Fortsetzung im Tal des Petit Morin, mit Dörfern wie Soulières und Beaunay. Lange kaum beachtet, rückt es dank einer Handvoll aussergewöhnlicher Winzer in den Fokus. Eine davon ist Margot Laurent von Oudiette et Filles in Beaunay.
  • Côte de Sézanne: rund um das Städtchen Sézanne. Ton mischt sich unter die Kreide, die Hänge sind oft nach Südosten ausgerichtet. Die Trauben reifen früher und voller, die Champagner zeigen mehr Rundung und reife Frucht.
  • Vitryat: eine kleine Insel weit im Osten, rund um Vitry-le-François. Kreideböden und ein frischer, geradliniger Chardonnay.
  • Montgueux: ein einzelner Kreidehügel westlich von Troyes, ganz allein im Süden. Sein Chardonnay ist üppig und exotisch und hat unter Kennern einen ausgezeichneten Ruf.

Côte des Bar

Gut 100 Kilometer südlich von Épernay, im Département Aube, liegt die Côte des Bar. Geografisch ist sie näher am Chablis als an Reims, und das merkt man am Boden: Kimmeridge-Mergel und Kalkstein, wie man sie aus dem Burgund kennt. Hier wächst vor allem Pinot Noir, dazu finden sich einige der seltenen Rebsorten wie Pinot Blanc und Arbane.

  • Barséquanais: das Gebiet rund um Bar-sur-Seine und das Malerdorf Essoyes, wo Renoir seine Sommer verbrachte. Der grössere Teil der Côte des Bar, mit saftigem, kraftvollem Pinot Noir.
  • Bar-sur-Aubois: rund um Bar-sur-Aube im Osten, bis hinauf nach Colombey-les-Deux-Églises. Hügeliger, kühler, mit Champagnern von schöner Frische.
  • Les Riceys: die flächenmässig grösste Gemeinde der Champagne und ein Unikum: Hier gibt es gleich drei Appellationen, Champagne, Coteaux Champenois und den seltenen Rosé des Riceys.

Lange verkauften die Winzer ihre Trauben an die grossen Häuser im Norden. Heute gehört die Côte des Bar zu den spannendsten Ecken der Champagne, mit vielen jungen Winzern, die eigene Champagner keltern.

Vier Regionen, unzählige Handschriften

Jede Region hat ihren Grundton, doch erst die Winzer machen daraus Musik. Ein Chardonnay aus Chigny-les-Roses schmeckt anders als einer aus Le Mesnil-sur-Oger, ein Meunier aus dem Marnetal anders als einer aus der Montagne. Genau das macht Winzer-Champagner so spannend: Du trinkst nicht eine Region, sondern eine Parzelle, ein Jahr, eine Familie.

Anfang November gehen wir noch einen Schritt weiter und schauen uns an, was hinter den Begriffen Grand Cru und Premier Cru steckt. Bis dahin: Wirf beim nächsten Champagner einen Blick aufs Etikett und finde heraus, aus welcher Region er stammt. Santé!

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Autor

Suzette

Experte für exklusive Champagner-Kultur, Terroir und Genuss-Geschichten.

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