Der September ist ein Monat des Übergangs. Die Nachmittage sind noch warm genug für ein Glas draussen, die Abende werden schon länger und laden an den gedeckten Tisch. Für genau diese Zeit habe ich einen Champagner ausgewählt, der beides mühelos kann: die Réserve Premier Cru von Hugues Godmé.
Der Winzer
In Verzenay, einem der grossen Grand-Cru-Dörfer der Montagne de Reims, arbeitet die Familie Godmé seit Generationen im Rebberg. Schon 2006 hat Hugues auf biologischen und kurz darauf auf biodynamischen Anbau umgestellt, und das still, beharrlich und ganz ohne Inszenierung. Heute führt seine Tochter Lucille das Haus mit demselben Weitblick und derselben Wärme weiter.
Im Glas
Die Réserve vereint je ein Drittel Chardonnay, Pinot Noir und Meunier aus durchschnittlich 35 Jahre alten Reben. Die Hälfte der Cuvée besteht aus Reserveweinen, ein Teil reift im Holzfass. In der Nase dominieren Zitrus und eine elegante Kräuternote. Am Gaumen zeigt sie eine saftige Balance aus Spannung und Textur, der Abgang ist salzig und lang. Sie ist frisch, geradlinig und druckvoll: ein Champagner, der sich nicht anbiedert, sondern von selbst überzeugt.
Zum Apéro
An einem milden Septemberabend auf der Terrasse ist die Réserve ein ernstzunehmender Aperitif. Dazu passen ein Stück reifer Comté, ein paar geröstete Nüsse oder frisches Brot mit gesalzener Butter.
Zum herbstlichen Essen
Richtig spannend wird es am Tisch. Ofenkürbis oder ein cremiges Kürbisrisotto finden in der Zitrusfrische der Réserve ein schönes Gegengewicht. Hausgemachte Spätzli mit Rotkraut und Marroni sind klassische Herbstküche, und hier bringt der Champagner mit seiner Säure Leichtigkeit ins Spiel. Auch zu Wild, etwa einem zarten Rehrücken oder einem Hirschpfeffer mit fruchtiger Sauce, macht die Réserve eine gute Figur: Der Pinot Noir gibt ihr die nötige Struktur, der salzige Abgang hält das Gericht lebendig.
Mein Tipp
Serviere die Réserve bei 8–10 °C in einem leicht bauchigen Weissweinglas statt in der Flöte. So kann sie ihre Aromen voll entfalten.
Für uns ist dieser Champagner ein echter Evergreen, und im Herbst zeigt er sich von seiner schönsten Seite. Santé!

